Basketball Europameisterschaft in Chemnitz

Chemnitz– Letzte Woche ging die U20 Europameisterschaft im Basketball in Chemnitz zu Ende. Bei der Heim-EM konnte Deutschland mit der Bronzemedaille das beste Nachwuchsturnierergebnis seit 35 Jahren einfahren. Ich wurde von einem Freund dazu eingeladen und konnte mir in gemütlicher Runde die besten Nachwuchsspieler in Europa anschauen. Israel gewann das Turnier mit einem deutlichen Sieg über Kroatien. Schön zu sehen war vor allem, wie professionell der Nachwuchs sich präsentierte. 

Sportpsychologische Beobachtung:Innerhalb des Turniers sind mir zwei Szenen im Gedächtnis geblieben, die sportpsychologisch für die deutsche Nationalmannschaft besonders relevant waren:

 

 

Auftaktspiel gegen Israel: 6,3 Sekunden vor Schluss ist Deutschland mit 57:59 im Hintertreffen. Nach der Auszeit von Trainer Alan Ibrahimagic gibt es Einwurf im Vorfeld. Der Ball geht zu Richard Freudenberg, der von seinem Verteidiger eng gedeckt wird. Ein Dribbling, Step-Back und Fadeaway später führt die Natio mit 60:59. Freudenberg hatte diesen äußerst schwierigen Wurf sauber eingenetzt und die Halle stand Kopf. Wie sieht es in so einem Moment in einem Spieler aus? Was denkt er sich, wenn der Coach in der Auszeit das letzte System für ihn aufzeichnet? Welche psychologischen Faktoren spielen eine Rolle?

 

Thema Drucksituationen: Die meisten Spieler trainieren so einen Wurf im Training und auf dem Freiplatz. Im Kopf zählen sie die Uhr runter 3-2-1 und Wurf. Mit einem echten Gegenspieler und einer vollen Halle, wenn es wirklich um etwas geht, ist der Wurf doch etwas ganz anderes ...oder?

Entscheidend ist, dass der Spieler in diesem Moment weiterhin das Vertrauen in seine Fähigkeiten setzt. Er hat ja nicht vergessen wie dieser Wurf funktioniert, er schreibt ihm nur eine größere Bedeutung zu als im Training. Schafft er es sich auf seine Fähigkeiten zu verlassen,so sind seine Chancen also gut den Schuss mit derselben Sicherheit wie im Training zu verwandeln. Die Konzentration war Richard anzusehen und auch als der Verteidiger ihn mit der Brust aufnahm, verließ er sich komplett auf seine Routine. Gratulation!

 

Bronzemedaillen Spiel gegen Frankreich:„Allerdings ist es ein ganz besonderes Spiel nach einer knappen Niederlage ist es undankbar am nächsten Tag spielen zu müssen. Es kommt jetzt drauf an wer das besser verkraftet. Wir haben etwas weniger Pause (als Frankreich Anm.d.Red.), wir haben glaube ich auch etwas mehr Körner gelassen, da Frankreich relativ glatt verloren hat...wir werden jetzt gucken, dass wir den Kopf hochkriegen, dass wir morgen versuchen nochmal das Beste daraus zu machen und eine Medaille holen.“ So Ibrahimagic nach der knappen Niederlage gegen Kroatien. Und er hat ganz Recht... psychologisch ist so ein Spiel nicht leicht. „Wir wollen das Turnier gewinnen!“ sagte Kostja Mushidi vor dem Beginn der EM in Chemnitz. Dieses Ziel musste nach der Niederlage gegen die Mannschaft aus Kroatien verworfen werden.

 

Thema Zielsetzung: Es ist notwendig sich ambitionierte Ziele zu setzen um die persönliche Bestleistung zu erreichen. Dabei sollten diese vor allem erreichbar sein. Der Turniersieg war für Deutschland durchaus möglich und in seinem Interview hat Kostja Mushidi gut die Einstellung der Mannschaft wiedergespiegelt. Trotzdem kann es dazu kommen, dass der Gegner einen besseren Tag erwischt und man ein Spiel verliert. Wichtig ist es, die jeweiligen Ziele erneut zu besprechen („Wir wollen morgen Bronze holen“) und die positiven und erfolgreichen Momente im Kopf zu behalten. Das tägliche Training sollte mit vielen Erfolgen einher gehen um das Selbstvertrauen hoch zu halten. Dies scheint der deutschen Mannschaft gelungen zu sein und so kann man ihr zur Bronzemedaille wirklich gratulieren. Herzlichen Glückwunsch Männer!

 

 

 

Möchten Sie gerne mehr darüber erfahren wie die Sportpsychologie Sie auf solche Momente vorbereitet? Schreiben Sie mir einfach eine E-Mail unter dem Reiter Anfragen.

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