Eiskalt zur Bestform? Was hinter dem Regenerationstrend Eisbaden steckt

Eiskalt zur Bestform? Was hinter dem Regenerationstrend Eisbaden steckt

Bei den Olympischen Spielen in Tokio standen den Athlet*innen 64 Tonnen Eis zur Verfügung. Eisbäder gehören heute zur Standardversorgung im Leistungssport. Was früher vor allem von Extremsportlerinnen genutzt wurde, ist inzwischen fester Bestandteil der Regeneration. Auch der Profifußballer Haaland hat das Potential erkannt und setzt auf vier bis fünfmal Eisbaden in der Woche. Doch was steckt wirklich hinter dem Hype? Anna, Psychologiestudentin, hat sich das Thema genauer angesehen und erklärt, was die Wissenschaft dazu sagt.

Die Nutzung von kaltem Wasser zur Föderung der Gesundheit ist vor allem in Skandinavien eine jahrhundertealte Tradition, welche mit mentaler und physischer Gesundheit assoziiert wird. Heute ist das Eisbad eine der am häufigsten untersuchten Regenerationsstrategien im Leistungssport. Wissenschaftliche Studien zeigen zahlreiche positive körperliche und mentale Effekte:

Körperliche Effekte

  • Linderung von Muskelkater nach intensiven Belastungen
  • Beschleunigter Stoffwechselabbau
  • Reduktionen von Schwellungen
  • Erhöhte Infektresistenz

Mentale Effekte

  • Unmittelbare Reduktion der wahrgenommenen Erschöpfung
  • Zeitversetzter Stressabbau innerhalb von 12 Stunden
  • Verbesserte Schlafqualität
  • Langfristige Steigerung der mentalen Gesundheit

Die vielen Vorteile von Eisbaden kommen insbesondere bei einem gezielten und strategischen Einsatz im Trainingsplan zum Tragen. Während Eisbaden für die Förderung der Kraftausdauer und in Wettkampfphasen als Mittel der Wahl gilt, ist in Muskelaufbauphasen Vorsicht geboten, da Eisbäder die für das Muskelwachstum nötigen Entzündungssignale hemmen.

Um die positiven Effekte zu maximieren und Risiken zu minimieren, sollten folgende Aspekte beachtet werden:

  • Temperatur und Dauer: Für die Regeneration hat sich ein Bereich von 11–15 °C für eine Dauer von 11–15 Minuten als am effektivsten erwiesen. Kältere Temperaturen (< 10 °C) bergen ein höheres Risiko für einen Kälteschock und sind nicht zwangsläufig effektiver für das subjektive Empfinden.
  • Einstieg und Tiefe: Ein langsames Eintauchen, idealerweise bis zur Brust, ist wichtig, damit der hydrostatische Druck des Wassers auf den gesamten Körper wirken kann.
  • Atmung: Ruhiges Ausatmen hilft, die initiale Schockreaktion des Körpers abzufangen.
  • Zeitpunkt: Die Anwendung sollte so bald wie möglich nach der Belastung erfolgen, um Entzündungsprozesse frühzeitig zu regulieren.
  • Sicherheit: Kälteexposition belastet das Herz-Kreislauf-System stark. Menschen mit Vorerkrankungen sollten die Anwendung vorab ärztlich abklären lassen. Warnsignale wie extremes Zittern oder Schwindel bedeuten: Sofort raus aus dem Wasser!
  • Individuelle Anpassung: Berücksichtigung von Sportart und Trainingsziel, Körperzusammensetzung, Geschlecht, Trainings- bzw. Wettkampfphase sowie individuellen Präferenzen und psychischer sowie physischer Reaktion.

–> Ihr möchtet herausfinden, ob und wie Eisbaden zu eurem Training passt? Sprecht uns gerne an!

Eisbaden ist ein effektives Werkzeug für die akute Regeneration und das psychische Wohlbefinden. Im Leistungssport hilft es Athlet*innen, sich in intensiven Wettkampfphasen schnell zu erholen und den Fokus zu bewahren. Wer jedoch primär Muskeln aufbauen möchte, sollte das Eisbad in der Aufbauphase eher meiden oder zeitlich versetzt einsetzen. Unser Fazit: Das Eisbad ist eine wertvolle Ergänzung, ersetzt aber niemals die Grundlagen einer guten Regeneration.

Autorin: Anna Esser studiert im Master Klinische Psychologie und hat sich in ihrer Bachelorarbeit intensiv mit dem Thema psychologische Grundbedürfnisse im Sport auseinandergesetzt. Im Rahmen eines Praktikums unterstützt sie „Kopfathleten“ in Hamburg mit ihrer psychologischen Expertise.

 

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  • Driller, M., & Leabeater, A. (2023). Fundamentals or icing on top of the cake? A narrative review of recovery strategies and devices for athletes. Sports11(11), 213. https://doi.org/10.3390/sports11110213
  • Xiao, F., Kabachkova, A. V., Jiao, L., Zhao, H., & Kapilevich, L. V. (2023). Effects of cold water immersion after exercise on fatigue recovery and exercise performance–meta analysis. Frontiers in Physiology14, 1006512. https://doi.org/10.3389/fphys.2023.1006512
  • The Cochrane Collaboration. (2010). Cold-water immersion (cryotherapy) for preventing and treating muscle soreness after exercise (Protocol). Cochrane Library; John Wiley & Sons, Ltd.